Im Rahmen von Hypnose kann allein die Vorstellung eines kühlen Bergsees Schmerzen lindern. Credit: Pexels
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Kühler Bergsee statt Schmerzmittel?

Hypnose macht die Schulmedizin vielleicht nicht überflüssig, mithilfe der traditionellen Behandlungsmethode können jedoch viele Krankheitsverläufe positiv beeinflusst werden.

Manuela Pfaffen

Hypnose ist gerade gross im Trend. Caroline Maroni, Präsidentin und Supervisorin der Gesellschaft für Klinische Hypnose und Hypnotherapie Schweiz, bestätigt das: «Wir bekommen zahlreiche Anfragen von Klienten, die auf der Suche nach einem Psychotherapeuten mit entsprechender Weiterbildung sind.»

Dank fundierter wissenschaftlicher Untermauerung hat die Technik auch in Fachkreisen zunehmend an Glaubwürdigkeit gewonnen. Gerade in den Westschweizer Universitätsspitälern ist Klinische Hypnose in gewissen Disziplinen bereits fest etabliert und institutionalisiert. In den meisten Regionen der Deutschschweiz existieren ebenfalls Bestrebungen, Hypnose stärker in den Spitalalltag zu integrieren.

Das Anwendungsfeld ist breit und kommt etwa in der Medizin bei chronischen Schmerzen, in der Psychotherapie bei psychischen Belastungen, bei Sportlern als Mentaltraining oder in der Geburtsvorbereitung zum Einsatz. «Hypnose ist auch eine auf die Situation angepasste Kommunikationsform», ergänzt die Psychotherapeutin.

Zertifizierte Therapeuten

In der französischsprachigen Schweiz existiert das Weiter­bildungsinstitut IRHYS, in der Deutschschweiz die qualifizierten Experten-Netzwerke für Klinische Hypnose und Hypnotherapie GHYPS und SMSH, auf deren Webseiten Interessierte Listen mit seriösen und zertifizierten Hypnotherapeutinnen und -therapeuten finden.

So kann eine Ärztin durch die Art und Weise, wie sie die für die Behandlung notwendigen medizinischen Massnahmen ankündigt, die Akzeptanz beim Patienten beeinflussen. Die Pflegefachperson ihrerseits kann mit Hilfe von hypnotischer Kommunikation Ängste lindern und eine menschlichere Beziehung zum Patienten aufbauen.

Die Macht der Bilder

Aber was ist eigentlich das Geheimnis von Hypnose? «Mittels Hypnose kann ein Mensch in einen veränderten Bewusstseinszustand versetzt werden», erklärt Maroni. Neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass in diesem Trancezustand gewisse Vernetzungen im Hirn, die normalerweise unsere Alltagsvernunft und Ich-Bezogenheit unterstützen, ausser Kraft gesetzt werden. Der Patient gerät in einen Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und schafft einen mentalen, inneren Freiraum, der es ihm erlaubt, bisher ungekannte Stärken und Bewältigungsstrategien zu aktivieren.

«Hypnose kann die Selbstheilung unterstützen und den Gewinn von Selbstwirk­samkeit fördern.»

Symptome wie Schmerzen oder Angst können dadurch verringert; belastende Situationen aus einem anderen Blickwinkel erlebt werden. So kann es sein, wie Maroni in einem konkreten Beispiel darlegt, dass ein Patient mit Verbrennungen die Vorstellung eines kühlen Bergsees als schmerzlin-dernd erlebt. «Die Schulmedizin lässt den Patienten manchmal in einer passiven Haltung zurück. Hypnose kann die Selbstheilung unterstützen und den Gewinn von Selbstwirksamkeit fördern. Durch das Erleben von Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung wird im besten Fall weniger Schmerzmittel benötigt.»

Kein Hokuspokus

Mit der sogenannten Show-Hypnose, in der Probanden wie ferngesteuert Befehle ausführen, und schwingenden Pendeln, hat seriöse Hypnose nichts zu tun. Patientin und Therapeut begegnen sich hier auf Augenhöhe, Erstere bleibt immer Frau über sich selbst. «Es geht nie darum, den Patienten zu beeinflussen, sondern um die Anleitung eines inneren Suchprozesses in einem sicheren Rahmen», betont Maroni.

«Professionelle Anwender zeichnen sich dadurch aus, dass sie nichts mit Hypnose behandeln, wozu sie nicht auch ohne Hypnose qualifiziert wären», lautet der einfache Grundsatz, mit dessen Hilfe sich die Spreu vom Weizen trennen lässt. Seriöse Hypnosetherapeuten sind also Mediziner und Psychologen, die über eine fundierte und anerkannte Grundausbildung in den genannten Disziplinen verfügen und darüber legitimiert sind, Störungen mit Krankheitswert zu behandeln. Hypnose verstehen sie nicht als Konkurrenz zur Schulmedizin, sondern als Unterstützung und Ergänzung. Sie verfügen über ein anerkanntes Zertifikat und oft auch über spezifische Spezialgebiete.

Obwohl man durchaus verschiedene Ausprägungen von Hypnotisierbarkeit unterscheidet, dürfte die Technik prinzipiell bei Jedem anwendbar sein. Maroni unterstreicht, dass es keinen Zusammenhang zwischen Ausprägung und Behandlungserfolg gebe. «Selbst eine hochhypnotisierbare Person lässt sich nicht gegen ihren Willen hypnotisieren. Ein Niedrighypnotisierbarer hingegen kann mit Übung und Motivation lernen, auf hypnotherapeutische Interventionen anzusprechen.»

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