Was passiert bei einer Temperatur-Erhöhung von 1,5° C oder mehr? Dann wird es für viele Ökosysteme kritisch. «Die Erde hat dann bildlich gesprochen Fieber», sagt Ökobilanzexperte Christoph Meili. Und das Risiko für Negativspiralen steigt ebenfalls. Credit: Adobe Stock
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So mindern Sie den CO2-Fussabdruck

Reisen, Heizen und Ernährung: Soll die Klimaerhitzung gebremst werden, ist eine grundlegende Anpassung des eigenen Lebensstils nötig.

Karin Meier

Der Handlungsbedarf beim Klimaschutz und der Reduktion des weltweiten Treibhausgas- bzw. CO2-Ausstosses ist immens: «Wir sprechen davon, dass die letzte Ausfahrt vor der Klimakatastrophe nicht mehr weit ist», sagt Christoph Meili, Ökobilanz­experte beim WWF.

Die Ökosysteme der Erde gelten bereits als angeschlagen, da sich das Weltklima aufgrund unseres Verhaltens um 0,8°C erwärmt hat. Bei einer Erhöhung von 1,5°C und mehr wird es für viele Ökosysteme sogar kritisch. «Die Erde hat dann bildlich gesprochen Fieber», sagt Christoph Meili. Damit steigt das Risiko von Negativspiralen. Schmilzt z.B. das Eis in der Arktis, wird darin eingefrorenes Methangas freigesetzt, wodurch sich das Klima schneller und immer stärker erhitzt. «Um die Erhitzung zu stoppen, müssen unsere Treibhausgasemissionen möglichst rasch auf null gesenkt werden. Gleichzeitig gilt es, die bereits ausgestossenen Treibhausgase wieder einzufangen», sagt Christoph Meili. Gefordert sind alle Ebenen – von der Politik über die Wirtschaft bis zu Privatpersonen.

«Für die relevanten Punkte sensibilisieren»

Damit Privatpersonen wissen, wo sie am meisten für den Klimaschutz tun können, gibt es sogenannte CO2-Fussabdruck-Rechner (s. Box). Diese ermitteln die Menge an Treibhausgasen, die von Einzelpersonen, Organisationen oder Aktivitäten ausgestossen werden. Nebst dem Treibhausgas CO2 (Kohlenstoffdioxid) berücksichtigen sie auch andere klimaschädliche Gase wie Methan oder Lachgas. Diese werden in der Fachliteratur zuweilen als CO2-Äquivalente (CO2e) ausgewiesen.

«Ein Kilometer im Flugzeug belastet das Klima 10- bis 30-fach mehr als ein Kilometer im Zug.»

Die Resultate der Rechner sind in Bereiche wie Mobilität, Konsum und Wohnen aufgeteilt, sodass auf Anhieb erkennbar ist, wo das grösste Handlungspotenzial liegt. Dies sei auch das erklärte Ziel der Rechner, sagt der WWF-Experte: «Wir wollen die Menschen für die relevanten Punkte sensibilisieren.» Zum Nachdenken anregen sollen auch die Fragen, die nicht gestellt würden, weil sie sich weniger stark auf das Klima auswirkten: So sind etwa weder Verpackungen ein Thema noch die Benutzung einer Treppe statt eines Lifts.

Weg von fossilen Brenn- und Treibstoffen

Die grössten Hebel liegen bei den fossilen Brenn- und Treibstoffen, also Erdölprodukten wie Heizöl, Benzin, Diesel und Kerosin, sowie Erdgas und Kohle. Wohneigentümerinnen und Wohneigentümer sollten sofort ihre Heizung ersetzen, sofern diese mit Öl oder Gas liefe – egal, wie alt oder neu sie sei, rät Christoph Meili: «Eine Studie von ESU-services zeigt: Öl- und Gasheizungen belasten das Klima im Betrieb so stark, dass die Klimabelastungen durch die Produktion und Entsorgung einer neuen Wärmepumpenheizung bereits nach weniger als einer halben Wintersaison komplett wettgemacht sind.»

Im Freizeitverhalten sind es primär die Flugreisen, die das Klima erhitzen. Erstens nehmen die Flugstunden pro Kopf laufend zu, sieht man von den Corona-Jahren 2020 und 2021 ab. Zweitens entsteht bei der Verbrennung von Kerosin nicht nur CO2, sondern auch Wasserdampf. Wird dieser weit oben in der Atmosphäre ausgestossen, erwärmt dies die Luftmassen darunter zusätzlich. «So belastet ein Kilometer im Flugzeug das Klima 10- bis 30-fach mehr als ein Kilometer im Zug», sagt Christoph Meili. Die Klimabilanz von Flugreisen wird drittens auch mittelfristig schlecht bleiben, weil die Energiedichte von Kerosin für Batterien noch unerreichbar ist und auch pflanzliche oder synthetische Brennstoffe bei der Verbrennung Wasserdampf erzeugen.

«Sollen mit einem Auto jährlich mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt werden, lohnt sich aus Klimasicht der Umstieg aufs Elektroauto.»

Die Alltagsmobilität mit dem Auto ist ein weiterer Punkt, der die persönliche CO2-Bilanz belastet. Die Lösung: «ÖV, Velo und Car-Sharing nutzen. Ist Car-Sharing keine Option und sollen mit einem Auto jährlich im Schnitt mehr als 2000 Kilometer zurückgelegt werden, lohnt sich aus Klimasicht der sofortige Umstieg auf ein Elektroauto», sagt Christoph Meili. Die Sorge um die Umweltverschmutzung durch den Rohstoffabbau für Batterien für Elektroautos hält der WWF-Experte für eine einseitige Betrachtung: «Bei den Elektroautos schaut man sich die gesamte Umweltbilanz an, bei den konventionellen Fahrzeugen wird hingegen oft nur das gemessen, was hinten rauskommt. Die Umwelt- und Gewässerbelastungen bei Lecks auf Ölbohrplattformen etwa gehen auf diese Weise vergessen. Wird bei beiden Antriebsarten die gesamte Produktionskette betrachtet, bleibt das Elektroauto klar im Vorteil.»

300 Gramm Fleisch pro Kopf und Woche

Beim Konsum gilt vom Smartphone über Mode bis zur Einrichtung der Grundsatz: so wenig kaufen und so lange gebrauchen wie möglich. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Nahrungsmittel, die wir einkaufen. Klimafreundlich sind pflanzenbasierte Mahlzeiten. Bei Milchprodukten ist Zurückhaltung angesagt, beim Fleisch erst recht: Im Schnitt sollte der Fleischkonsum daher höchstens noch 300 Gramm pro Person und Woche betragen.

Er sinkt hierzulande zwar stetig, ist mit 900 Gramm pro Woche aber immer noch deutlich zu hoch – zumal in diesem Durchschnitt auch Kinder, ältere Menschen, Vegetarierinnen und Veganer einberechnet sind. Damit möglichst die ganzen Tiere verwertet werden können, sind Würste und Hackfleisch vorzuziehen. Und natürlich sollte Food Waste vermieden werden.

Die Crux mit den Kompensationen

Wer angesichts dieser Zahlen nun denkt, die eigene schlechte CO2-Bilanz einfach zu belassen und mit Kompensationszahlungen aufzubessern, ist laut Christoph Meili auf dem Holzweg: «Zum einen macht Kompensieren die Belastungen nicht wett, da wir global gesehen auf null Emissionen herunter müssen. Zum andern verteuert der Einkauf günstiger ausländischer Reduktionsmassnahmen die eigenen Klimaschutz-Projekte dieser Länder, die ebenfalls in der Pflicht sind.

Wo Sie Ihren CO2-Fussabdruck berechnen können

Der Footprint-Rechner des WWF ermittelt den CO2-Fussabdruck von Privatpersonen, zeigt den grössten Handlungsbedarf auf und gibt Empfehlungen zur Reduktion des Fussabdrucks.

Die Stiftung my climate bietet CO2-Fussabdruck-Rechner für Autofahrten, Flüge, Kreuzfahrten, Events, Firmen, Haushalte und Privatpersonen und Kompensationsmöglichkeiten über Spenden für Klimaschutzprojekte mit Gold- und anderen Standards im In- und Ausland.

Es gilt also, erst das eigene Verhalten anzupassen. Mittels Klimaschutzprojekten können wir die Gesellschaft jedoch dabei unterstützen, klimafreundlicher zu werden», sagt Christoph Meili. Unterstützungswürdige Projekte seien insbesondere jene zur Entwicklung von Technologien, mit denen die Treibhausgase wieder aus der Atmosphäre entfernt werden können. Ebenfalls sinnvoll sind Gold-Standard-Projekte, welche soziale Aspekte berücksichtigen und dadurch der globalen Klimaungerechtigkeit entgegenwirken. Denn während die Menschen in den Industrienationen den Grossteil der Klimabelastungen verursachen, sind diejenigen in den Entwicklungsländern am stärksten von diesen betroffen.

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